Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Adrian hat gerade Sharni am Arm gepackt und in die nächste Fummelboutique geschleppt. Erstaunlicherweise ist an dem Kleid, das auf Anhieb passt und toll aussieht (da war jemand offensichtlich noch nie einkaufen) ungefähr doppelt so viel Stoff wie in seiner Fantasie. Dafür sind die Absätze dann gleich doppelt so hoch – wir erinnern uns, Sharni hat zu viel gesoffen (beneidenswert …), da ist sowas wirklich gut. Aber immerhin muss sie sich ums Zahlen keine Gedanken machen – ein echter Gentleman kauft einer Tussi, die er seit gerade mal 50 Seiten (in der Großdruckausgabe!) kennt, auch spontan mal ein Outfit mit Fuck-me-heels. Ich muss nach Australien. Schleunigst.
OMG! Nein! Wir nähern uns langsam einem Konflikt! Woah! Könnte es sein, dass unser Held eine FREUNDIN hat? Immerhin sind gut aussehende Millionäre nie Single! Und Sharni ist ja eine richtige Heldin und hat deswegen absolut keinen Funken Selbstbewusstsein und hält sich für totaaaaal unscheinbar.
Ah gut, Felicity hat ja mit ihm Schluss gemacht, weil sie ihn doof fand. Yippie. (Aber wir ahnen schon: Da hat jemand zu früh aufgeatmet.)
Ooooh. Sharni ist besessen – scheinbar von ihrem neuen Outfit und den Absätzen – und kurz davor Adrian im Lift anzuspringen.
The lift whizzed to a halt on the twenty-fifth floor in no time at all, Sharni having no space to come to terms with the shockingly aroused state she was in.
Dumm aber auch. Und jetzt muss sie auch noch aufs Klo. (Halt. Adrian, der übrigens Millionär ist und in Sydney lebt, falls ihr das vergessen habt, hat natürlich kein Klo. Er hat einen powder-room. Alles andere wäre ja auch stillos.) Boah. Wie lange brauchen die denn noch? Muss vielleicht noch einer den Müll runterbringen?
Auch schön – Sharni heult den Spiegel mit gestelzten abgedroschenen Phrasen an und hat Schuldgefühle. Boohooo.
Sagt mir mal bitte, wer solche Sätze schreibt:
In the end, he took off his jacket – the apartment was centrally heated – and draped it over the back of a chair after which he started pacing the room.
Entweder ist Adrian eine verfrorene Memme oder jemand will uns erzählen, dass es in Sydney so brutal kalt ist, dass man in der Wohnung nicht mal sein Jacket ablegen kann ohne eine Heizung anzuschalten. (Wir erinnern uns: Für Sharni hat der Mistkerl gerade ein kurzes, ärmelloses Kleid gekauft – die kann ja frieren, oder was?) Und jetzt bereut er es, dass er ihr versprochen hat, nicht über sie herzufallen (und ich kann da mitfühlen – wenn die jetzt endlich Sex hätten, würde wenigstens mal was passieren …)
Ah! Die Damals-noch-nicht-Ex hat das Penthouse dekoriert – in beige. Wie geschmackvoll.
Und Adrian zeigt mal wieder, was er an Frauen wirklich mag, als er ihr den Balkon zeigt:
She glanced up at him from under long lashes as she hurried past, her expression a tantalising mixture of femininity and fear.
Wieso sie sich schon wieder beeilt? Keine Ahnung, vielleicht ist die Heizung zu weit aufgedreht, damit Adi nicht erfriert oder so.
Oha! Er findet das irgendwie seltsam, dass er ihre Furcht erregend findet. Da hat er ausnahmsweise mal recht. Aber zum Glück kann man sowas ja wegrationalisieren – sie hat ja nicht vor ihm Angst, sondern vor sich selbst. Weil sie so scharf auf ihn ist. Nochmal Glück gehabt.
He followed her out onto the terrace, is mind in turmoil as his frustrated body began to create havoc with his conscience.
Jetzt gibts eine Auflistung der wichtigsten Wahrzeichen von Sydney – das Buch dient gleichzeitig noch als Reiseführer! Juhu!
Ein Kuss! ENDLICH passiert was! Okay, sie reagiert ein wenig arg panisch:
Sharni froze as he turned her in to his arms. The surety that he was going to kiss her brought panic. [...] Her eyes pleaded for mercy but he ignored them [...] holding her face solidly captive in readiness for his descending mouth.
Aber ihm macht das ja Gott seis gedankt nichts aus und er knutscht sie in Grund und Boden:
Adrian’s lips ground against hers, his kiss a branding on her mouth and inside her mouth. The forays of his tongue were aggressive and deeply sensual.
Weniger erotisch kann man sowas ja kaum noch beschreiben, oder? Der Rest der Sexszene ist nicht viel besser – die beiden fallen über einander her wie die Karnickel und haben natürlich gleich einen simultanen Orgasmus. (Kaddis Hirn beim Lesen: Au. AUA! AUTSCH! Das tut doch weh! IKS!)
OH MEIN GOTT! DIESER DRECKIGE ***************!
Sharni was in seventh heaven.
Till Adrian muttered a four letter crudity.
All of a sudden, reality returned with a soul-shattering thud. Because what he’d just said was exactly what they’s just done.
Verdammt, und ich dachte, das was die getan haben, nennt man Briefmarken sammeln …
(Kurze Unterbrechung zwecks Alkoholisierungsmaßnahmen)
Und es kommt noch schlimmer: ER HAT KEIN KONDOM BENUTZT UND IHR IST ES NICHTMAL AUFGEFALLEN! PANIK!
„Oh God,“ she sobbed and stuffed a white-knuckled fist against her mouth.
Oh-oh. Er hat ihr DUNKLES GEHEIMNIS herausbekommen (in einem sehr, sehr seltsamen Dialog über die Pille und ihre Menstruation, in der man das Gefühl bekommt, dass die Frau gerade 10 geworden ist und zum ersten Mal aufgeklärt wird … verflixt, ich vergaß den Titel dieses Machwerks …) – sie hat seit FÜNF JAHREN ihre Tage nicht mehr bekommen, weil sie so traumatisiert war!!!!!!!!!!!!!
His eyes flared wide. „Five years?“
Aber gut, wenigstens kann sie nicht schwanger werden. Har har.
Und jetzt kommt das beste an der Szene – nochmal zum Mitschreiben: die beiden haben gerade über eine Seite lang miteinander geredet. Und dann kommt dieser Absatz:
[...] she would have to explain herself [...] But not whilst he was still inside her. [...] she stammered and wriggled her bottom in an attempt to eject him. [...] the weight of his body keeping her solidly captive beneath him.
Und dann reden die nochmal ein paar Seiten lang! (Kaddis Hirn: Öh, ist das nicht … unbequem auf Dauer?)
Und Sharni ist ganz erstaunt, dass Adrian gleich kapiert, dass das wegen des Traumas ist. Wie er da nur drauf gekommen ist?
Sein Therapievorschlag? Schnackseln! Und äh … wenn ich das richtig gelesen habe, hat sich an ihrer … Verbundenheit noch nix geändert. Und jetzt ziehen die sich gegenseitig aus? Wow, die machen bestimmt viel Brezelyoga …
Oder vielleicht doch nicht:
„In future, please buy front-fastening bras.“
Lusche. Außerdem: Way to kill the mood, dude.
It was a defining moment, his asking her to undo her own bra.
Naja, ein defining moment wäre eher gewesen, wenn er sie gefragt hätte, seinen BH aufzumachen …
Okay, wenn sie ihren BH selber aufmacht, heißt das, dass sie ihm glaubt, dass Sex toll ist, und das könnte total toll für ihre Psyche sein. Kann ich nachvollziehen.
Blöd nur, dass Adrian natürlich sowas von supermännlich ist, dass er es doch selber macht. Totaaaal toll. Pft.
Oh und sie darf ab sofort gar keine BHs mehr tragen, sagt er. Männer.
Und hey, was sie fast vergessen hätte (ist ja auch nix, was auffällt) – er ist immer noch in ihr drin! VIER SEITEN GELABER UND ER IST IMMER NOCH IN IHR DRIN?????
Vergebt mir, wenn ich ein paar Seiten nur querlese …
virgin sacrifice [...] his sex anchored deep inside hers [...] hopelessly excited [...] oddly comforting [...] her nipples immediately felt twice as long [...] you sexy thing [...] half moan, half whimper [...] down there [...] agonised groan [...]
Und dann hört er auf. So ein Arsch. Und will schon wieder einkaufen gehen. Irgendwie hat der zu viel Chick Lit, in der Shopping besser ist als Sex, gelesen.
In der Zwischenzeit tickt Sharnis Schwester ein bisserl aus, weil Sharnilein nicht anruft. Die undankbare Schlampe. Und just in dem Moment, in dem sie deswegen rummeckert, klingelt das Telefon. So ein Timing aber auch …
Muss ich das Telefonat lesen? Sharni erzählt, was sie an dem Tag getan hat (SCHOCK!), ihre geschockte Schwester ist geschockt … blablabla … schlechte Dialoge … Selbstzweifel … laberlaber …
Wie alt sind diese Frauen? Entweder gerade mal 12 oder 170 …
Adrian denkt in der Zwischenzeit ausschließlich mit seinem pride and joy und ist ganz fürchterbar glücklich, weil er noch nie so glücklich war. *schmacht* Blabla. Innerer Monolog. Laber. Gefühlsdusel. Sex. Sex. Sex.
In Sydney gibts TAXIS!!! Und die fahren in der Gegend rum! Einfach so!
Nach dieser unglaublich wichtigen Erkenntnis holt Adrian Sharni im Hotel ab, sie ist schon die ganze Zeit am Sabbern, er muss aufpassen, dass der mit seinem pride and joy nirgends hängen bleibt. Und er trägt eine „vibrantly purple tie“ zum hell-lila Hemd. Pathetischer Versuch ein Man in Pink zu werden …
Not many men could carry off such colours without looking gay.
But Adrian could.
Ich glaub, ich hatte schon erwähnt, dass ich diese elliptischen Sätze nicht für große Literatur halte?
Adrian hätte jetzt übrigens gern einen Quickie:
We have several minutes before we have to go. Would you mind terribly? [...] I promise I won’t mess up your hair or anything.
Du musst nur stillhalten und an England denken. Oder so.
Und ratet mal, wer schon wieder kein Kondom benutzt hat? Ich sehe da einen Plot herankriechen …
Und Sharni flüchtet schon wieder aufs Klo … *seufz* Aber hach, er ist kurz davor, seine unsterbliche Liebe zu gestehen … *schmacht* … und tuts nicht, damit sie nicht zu spät ins Theater kommen.
Inneres Monologgebabbel von Sharni, Taxi, Andrew-Lloyd-Webber-ganz-große-Klasse-finden, extraspezielle von Adi designte Theatersessel, Innenarchitekturbeschreibungen … FELICITY! PLOT! DRAMA!
Und damit machen wir Schluss für heute …
Habe ich das richtig verstanden? Sie haben Sex, Orgasmus, Gespräche und DANN wollen sie sich ausziehen?
Und sie hatte ihre Periode nicht, 5 Jahre lang, weil sie so traumatisiert ist?
Ich erwarte eine unerwartete Sturzgeburt in einer Umkleidekabine.
Gleich nach einem Streit mit Felicity.
Kommentar von Lavender — Oktober 3, 2008 @ 10:46 |
Die haben sich irgendwie vor dem Sex nur die Hosen runtergerissen oder so. Weil der Sex doch so wild und unanständig war. Irgendwie.
Ich bin mir ja auch zu 100% sicher, dass da relativ bald ein Schreihals rumkräht – außer die Frau ist eine bessere Schriftstellerin als ich denke und hat diese ganzen unsubtilen Hinweise darauf nur eingeführt um uns in die Irre zu führen …
Kommentar von cressida — Oktober 3, 2008 @ 2:32 |
unglaublich, von wann ist das buch eigentlich?
klingt, als sei es aus den 80er jahren
ein baby ist so sicher wie das amen in der kirche – schließlich wäre das happy end sonst nicht perfekt *augen verdreh*
Kommentar von Lilith — Oktober 3, 2008 @ 3:27 |
First North American Publication 2008 – ich glaube, das ist auch tatsächlich die erste Veröffentlichung überhaupt. Aber du hast Recht – es liest sich wie von vor 30 Jahren. Mindestens.
Ich weiß schon, warum ich sonst nur historische Romances lese
Kommentar von cressida — Oktober 3, 2008 @ 3:45 |
ich lese historische liebesromane kaum noch
entweder ich ärger mich über die vollkommen unpassende handlung oder ausdrucksweise der personen oder mich regt die behandlung der frauen auf
aber letzteres ist hier ja auch ziemlich übel
Kommentar von Lilith — Oktober 3, 2008 @ 6:03 |