Verführerische Schriften

Januar 5, 2008

„Betörende Whitney“ von Judith McNaught

Gespeichert unter: Historische Liebesromane, Kritiken nach Autoren/M-P — by Lilith @ 6:16

Cora, deutschsprachige Ausgabe von 1988 (Originalausgabe “Whitney, My Love” von 1985)

Seitdem Clayton, Duke of Claymore, die junge Whitney Stone zum ersten Mal gesehen hat, ist er von dem Gedanken besessen, sie zu seiner Frau zu machen. Indem er ohne ihr Wissen die Schulden ihres Vaters bezahlt, erkauft er sie sich als seine Verlobte. Unter falschem Namen sucht er ihre Bekanntschaft und will sie dazu bringen, sich in ihn zu verlieben.

Mehrmals musste ich schon lesen, dass „Whitney, My Love“ der BESTE Liebesroman sei, der je geschrieben wurde. Ich sage, es ist der SCHLECHTESTE. Zumindest der schlechteste, den ich je gelesen habe.

Warum? Weil Clayton der reinste Psycho ist. Er hat sich in den Kopf gesetzt, dass er Whitney besitzen muss, wobei er nicht zimperlich vorgeht und die Qualitäten eines irren Stalkers besitzt. Schließlich ist er davon überzeugt, dass er ihr nur lang genug anzügliche Bemerkungen (von der ersten Minute an) an den Kopf werfen muss und sie früher oder später seinem Charme erliegen wird. Dazu zwingt er ihr seine Gesellschaft auf. Zuckerbrot und Peitsche scheinen zu seinen bevorzugten Charmeoffensiven zu gehören, da er Whitney einmal über das Knie legt und mit der Reitpeitsche versohlt, weil sie sich einen nicht ganz ungefährlichen Scherz mit ihm erlaubt hat. Nachdem er sie nach dieser Erziehungsmethode jedoch zärtlich in die Arme nimmt, findet es eigentlich gar nicht mehr sooo schlimm. Hallo? Eigentlich hätte ich an der Stelle bereits das Buch zur Seite legen müssen, aber es übte eine makabare Faszination auf mich aus.

Irgendwann findet Whitney Clayton doch nicht mehr so schlimm. Doch aufgrund einer Lüge glaubt er ungesehen, dass sie ihn betrügt. Als entführt er sie von einem Ball und vergewaltigt sie. Allerdings tut ihm das so leid, dass sie ihm verzeiht. Schließlich war er so von seiner Leidenschaft oder seiner übermannt, dass er überhaupt nicht anders konnte. Bei so viel Liebe muss Whitney schließlich feststellen, dass er der Richtige für sie ist. Wie krank ist das denn?

Inzwischen hat Clayton endlich mal einen Funken Verstand gezeigt und die Verlobung mit Whitney gelöst, damit sie von ihm befreit ist. Doch jetzt will sie ihn heiraten. Bei einem Treffen kommt es natürlich wieder zu aberwitzigen Missverständnissen. Whitney verhält sich abweisend und Clayton ist eingeschnappt – klar, als Vergewaltiger hat man auch allen Grund dazu. Er zieht beleidigt ab und umwirbt kurz darauf eine andere. Mittlerweile ist Whitney so irre (die ganzen Beleidigungen und Mißhandlungen müssen sie dazu gebracht haben, verrückt zu werden, anders kann ich mir das einfach nicht erklären), dass sie alles daran setzt, diesen Mann für sich zu gewinnen. Sie muss ihn quasi anbetteln, dass er sie zurück nimmt, schließlich hat sie seine Gefühle verletzt.

Mit der Hochzeit endet die deutsche Fassung zum Glück. Da hat es der Cora-Verlag wohl gut mit uns gemeint. Denn im Original geht der Horror weiter. Whitney hat mittlerweile ein Kind bekommen. Doch da Clayton mal wieder der Meinung ist, dass er berechtigten Anlass zur Vermutung hat, dass seine Frau ihm untreu war, nimmt er ihr das Kind weg. Aber schließlich gibt es dennoch ein Happy End.

Was mich viel mehr als diese grausige Story schockt, ist die Tatsache, dass es tatsächlich Frauen gibt, die diese Beziehung als unglaublich romantisch empfinden. Das macht mir Angst.

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4 Kommentare »

  1. Genau diese Beschreibungen sind der Grund, dass ich im Moment keine seichten Liebesromane ertragen kann. Wie dämlich muss eine Frau denn sein, um sich so drangsalieren zu lassen?
    Und ja, es gibt jede Menge Menschen, die das romantisch finden.
    Mögen sie ihr Glück finden.
    Möge mir das erspart bleiben.

    Kommentar von Lavender — Januar 5, 2008 @ 7:46 |Antworten

  2. Iks! Ich bekomme immer mehr Lust das zu lesen. Naja, wenigstens bist du das Buch bald los und es darf woanders die Luft verpesten …

    Kommentar von cressida — Januar 5, 2008 @ 9:05 |Antworten

  3. Ich finde das Buch einfach toll. Das ist ein Buch und man liest um etwas aussergewöhnliches zu erleben. Das ist ein ganz andere Welt wo man sich taucht und will nicht raus.

    Kommentar von Ivanka — Juni 10, 2009 @ 1:52 |Antworten

  4. Aber ich muss wirklich nicht erleben, wie eine Frau vergewaltigt und anderweitg misshandelt wird. Für mich hat das nichts mit Liebe zu tun.

    Kommentar von Lilith — Juni 13, 2009 @ 1:37 |Antworten


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