Beide Romane spielen im Mittelalter.
For My Lady’s Heart
Berkley, 1993
Nachdem der edle Ritter Ruadrik seine Ehefrau an die Kirche verloren hat, schwor er sich, der Prinzessin Melanthe ergeben zu dienen. Melanthe ist Witwe und auf der Flucht vor den Intrigen und Gefahren, die ihr in der Heimat Monteverde ihres toten Ehemannes drohen.
Wow, was für ein Buch. Es einfach als Liebesroman zu bezeichnen würde ihm nicht gerecht werden. Die Rahmenhandlung ist so komplex und anschaulich, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Das Mittelalter wurde quasi lebendig vor meinen Augen. Da gibt es Tuniere, Ritter und Intrigen, die die Borgias und Medicis blass aussehen lassen.
Der Einstieg in die Handlung fiel etwas schwerer, weil die Dialoge in Middle English und Old English geschrieben sind.
Meist sind es immer die Männer, die in Liebesromanen einen körperlichen oder seelischen Schaden haben, und von den Frauen geheilt werden. Doch hier sind die Rollen vertauscht. Melanthe ist durch das Leben in Monteverde seelisch so verletzt, dass sie ständig auf der Hut ist, keinem vertraut und selbst Intrigen spinnt um zu überleben. Ruadrik dagegen ist der edle Ritter, der selbst einer Ehefrau, die in ein Nonnenkloster eingetreten ist, köperlich jahrelang treu ist.





Shadowheart (Küsse in der Nacht)
Berkley, 2004
Blanvalet, 2005
Prinzessin Elena reist nach Monteverde, um dort zu reisen. Doch ihr Schiff wird von Piraten gekapert. Ihr Anführer ist Allegretto, der hofft, durch Elena als seine Braut in Monteverde an die Macht zu kommen.
Mehrere Jahre mussten die Leser auf Laura Kinsales letztes Buch warten, dessen Erscheinen sich u.a. aufgrund einer Schreibblockade verzögerte. Die Erwartungen waren hoch, da viele sehnsüchtig auf Allegrettos Geschichte, dem Assassin aus “For My Lady’s Heart”, warteten. Als das Buch schließlich erschien, gab es aufgrund der SM-Szenen viele Entsetzensschreie.
Ich muss gestehen, dass ich die SM-Szenen (für mich zählt Beißen bis das Blut fließt oder Schläge mit einem Ledergürtel dazu) auch nicht begeistert haben. Aber zum Glück überfliege ich Liebesszenen meist eh nur. Während ich noch verstehen kann, dass Allegretto die Schmerzen als eine Art Strafe für seine Taten – schließlich ist er seit seiner Jugend ein ausgebilderter Meuchelmörder – ansieht, konnte ich die Beweggründe für Elenas Verhalten nicht nachvollziehen. Naja, mir ist es sowieso unverständlich, warum man jemanden, den man liebt, Schmerzen zufügen will.
Bis auf diese Punkte hat mir der Roman ziemlich gut gefallen. Das liegt vor allem an Allegretto. Einerseits ist er ein exkommunizierter Mörder, der durch die manipulative Erziehung seines Vaters seelisch kaputt gemacht wurde. Andererseits ist er extrem abergläubig und fürchtet sich vor der Hölle, als Strafe für seine Taten. Vergeblich versucht er, die Kirche dazu zu bringen, ihm Absolution zu erteilen. Dieser Charakter macht das Buch äußerst lesenswert.




