Avon, 1995
Nach außen hin ist Sebastian, der Marquess of Dain, so ziemlich der verwegenste, arroganteste, unmoralischte Wüstling, den die Welt je gesehen hat – nur versteckt sich hinter seiner rauen (aber sehr sexy) Schale eigentlich nur ein unsicherer kleiner Junge ohne Selbstvertrauen und mit ganz furchtbar vielen Komplexen. Das findet sehr langsam aber sicher auch Jessica heraus, die eigentlich nur ihren nicht besonders hellen Bruder vor dem ganz furchtbar schlechten Einfluss Sebastians beschützen will. Und sie muss entsetzt feststellen, dass sie den Widerling auch noch wirklich scharf findet. Und dann werden sie auch noch in einer kompromittierenden Situation gesehen und Jessica muss zu den Waffen einer Frau greifen …
Loretta Chase sammelt hier im Blog ja schon fleißig Herzchen – und Lord of Scoundrels steht den beiden anderen Büchern in nichts nach bzw. ist eigentlich sogar noch besser als Lord Perfect und Mr. Impossible. Das liegt weniger am Plot als vielmehr an der außergewöhnlich guten Charakterisierung. Unsere beiden Helden sind fantastische Figuren, die die meisten 08/15-Standard-Romance-Helden leichenblass aussehen lassen!
In Sebastian muss man sich einfach verlieben (und während des Prologs will man ihn einfach nur durchknuddeln und ihm sagen, dass irgendwann alles gut wird …), weil er zwar einerseits ein wirklich scharfer Typ ist, ihn andererseits aber seine Unsicherheit ganz unglaublich sympathisch und liebenswert macht, auch wenn er sich gerade benimmt wie der letzte Vollidiot. Der Leser weiß ja, warum er so handelt und kann ihm deshalb ziemlich viel Dummbratzigkeit verzeihen. Mir scheint er um einiges vielschichtiger und komplexer zu sein als Mr. Standard-Romance-Held-mit-Komplexen – und er ist ganz unglaublich schnuffig, wenn er mal wieder nicht weiß, wie er mit Jessica umzugehen hat, weil sie sich so gar nicht benimmt, wie die anderen Frauen in seinem Leben! Jessica ist im Vergleich zu Sebastian nicht ganz so perfekt ausgearbeitet, ist mir aber ebenfalls gleich von Anfang an ans Herz gewachsen – sie ist stur, intelligent, direkt und wirklich frauenpowrig und lässt sich von Sebastian nicht den Schneid abkaufen. Zumindest würde sie nie zugeben, dass sie vor lauter Sabbern manchmal doch ein bisschen in Gedanken abschweift und dass er sie schon längst um den Finger gewickelt hat. Dafür schafft sie es aber auch innerhalb von Minuten Sebastian vollkommen aus dem Konzept zu bringen:
Dain wasn’t certain what exactly was wrong with her, but he had no doubt something was. He was Lord Beelzebub, wasn’t he? She was supposed to faint, or revoil in horrified revulsion at the very least. Yet she had gazed at him as bold as brass, and it had seemed for a moment as though the creature were actually flirting with him.
Die Charaktere sind aber nicht die einzige Stärke des Romans. Loretta Chase schreibt auch noch unglaublich witzig und schafft es gleichzeitig herzzerreißende Szenen auch wirklich herzzerreißend wirken zu lassen. Die Dialoge machen Spaß, die kleinen und größeren Scharmützel zwischen den beiden sind teilweise zum brüllen komisch, teilweise ziemlich fies und bösartig, die Chemie zwischen den Hauptfiguren ist perfekt – was will man mehr? Lord of Scoundrels gehört zu den Büchern, die man immer wieder aus dem Regal zieht, nur um die ein oder andere Szene zu lesen – und für die man dann halt noch eine Nacht opfert, weil man nicht aufhören kann zu lesen.
Lord of Scoundrels gehört definitiv zum Besten, was das Genre zu bieten hat, und ist Pflichtlektüre für jeden Fan!
Ihr glaubt mir nicht? Hier gibts noch eine zweite Meinung. Und hier eine dritte.





Ja, dieses Buch ist wirklich toll. Gestern habe ich es mal wieder gelesen. Es war übrigens mein erstes Buch von Loretta Chase.
Kommentar von Lilith — August 13, 2007 @ 7:48 |
[...] hat sich ja bereits ganz begeistert über das Sequel “Lord of Scoundrels” geäußert und jetzt stimme ich mit “The Last Hellion” mit in die Begeisterungsstürme [...]
Pingback von “The Last Hellion” von Loretta Chase « Verführerische Schriften — August 17, 2007 @ 5:43 |