ARGH! Ich hatte soeben den ersten Teil meines Cynsterpostings veröffentlicht – und prompt hat sich das Posting in Luft aufgelöst! Einfach weg. Meine pulitzerpreisverdächtigen Ausführungen – verschwunden. Stundenlange Arbeit – für umsonst. Ich könnte heulen. Aber gut, dann eben nochmal. Nur kürzer. Viel kürzer …
Die Cynsters haben hier im Blog ja schon ihr Debüt gegeben – aber da diese Familie richtig groß ist und immer weiter wächst, beschäftigen wir uns mal etwas näher mit ihr.
In bisher fünfzehn Bänden hat Stephanie Laurens zwar nicht immer hervorragende Geschichten abgeliefert aber mich dennoch größtenteils ziemlich gut unterhalten.
Die Familie Cynster ist unglaublich reich, unglaublichmächtig, unglaublich nett und vor allem unglaublich romantisch – typisch englischer Adel halt. Klar, schwarze Schafe ein schwarzes Schaf gibts in der Familie natürlich auch – aber das wird gleich im ersten Band rausgevotet und die heile Welt ist wieder in Ordnung.
Die ersten sechs Bände drehen sich um die sechs Cynster-Cousins Devil, Vane, Scandal, Demon, Gabriel und Lucifer, die so unglaublich cool sind, dass sie sich auch unglaublich coole Spitznamen verdient haben. Außerdem sind alle der Inbegriff des romantischen Helden. Gutaussehend. Reich. Edel. Gutaussehend. Hilfreich. Reich. Sexy. Gutaussehend. Edel. So gut im Bett, dass die Heldinnen regelmäßig vor Ekstase heulen müssen. Gutaussehend. Reich. Äh. Wo war ich? Ah ja, natürlich haben sie auch alle ihre kleinen Fehlerchen – vor allem besitzen sie eine gehörige Abneigung gegen die Ehe. Und dass, obwohl die Mitglieder der älteren Cynster-Generation eigentlich strahlende Vorbilder auf dem Gebiet sein müssten. Jedenfalls machen die sechs Cousins als „Bar Cynster“ London unsicher … äh eigentlich sicher …, wenn sie sich nicht gerade irgendwo auf dem Land vor den „matchmaking mamas“ verstecken. Echte Helden.
Band 1: Devil’s Bride
Piatkus, 2007; deutscher Titel: In den Armen des Eroberers, Blanvalet.
Im ersten Band der Reihe kommt erstmal der älteste der Cousins an die Reihe: Devil, eigentlich Sylvester, der Duke of St. Ives, findet in der Nähe seines Landsitzes seinen tödlich verletzten Cousin Tolly (der ist keiner von den coolen Cynsters und hat deswegen nur einen uncoolen Spitznamen) – und Honoria Anstruther-Wetherby, die gerade versucht Tolly, der hinterhältig angeschossen wurde, das Leben zu retten. Honoria arbeitet in der Gegend als Gouvernante, auch wenn sie eigentlich das Geld nicht nötig hätte – aber ihr wäre sonst wohl zu langweilig. Da ein Sturm aufkommt, finden sie in einer Hütte Unterschlupf, wo sie verzweifelt versuchen Tollys Leben zu retten. Und wie könnte es anders kommen: am nächsten Tag werden sie entdeckt und der Skandal ist perfekt. Um Honorias Ehre zu retten, muss natürlich geheiratet werden – und Devil ist der Sache gar nicht so abgeneigt. Honoria leider schon. Und nebenbei läuft ja auch noch ein Mörder frei herum …
Der erste Band ist auch gleich einer der besten unter den ersten sechs und macht ziemlich viel Spaß. Die beiden Hauptfiguren sind unglaublich sympathisch und die Chemie zwischen ihnen stimmt. Außerdem steht hier der Krimi-Plot noch viel mehr im Vordergrund als in späteren Romanen und funktioniert ebenfalls recht gut. Da der Plot sich tatsächlich durch den ganzen Roman zieht, funktionieren auch die Sexszenen, da sie gut geschrieben und wohldosiert sind. Ein gelungener Auftakt zur Reihe, der definitv lesenswert und genau das richtige für einen kuscheligen Nachmittag ist.





Band 2: A Rake’s Vow
Piatkus, 2007; deutscher Titel: Der Liebesschwur, Blanvalet.
Vane Cynster, einem „rake“ (meine Lieblingsübersetzung: Lotterbube) wie er im Buche steht, geht die Heiraterei in der Familie ziemlich auf die Nerven und deshalb will er sich irgendwo auf dem Land verstecken. Stattdessen landet er auf Bellamy Hall und trifft da auch gleich Patience Debbington, die natürlich eine ganz unglaublich starke Abneigung gegen Typen wie ihn hat. Vane findet sie natürlich auf der Stelle toll. Glücklicherweise passieren auf Bellamy Hall gerade seltsame Dinge – ein Dieb treibt sein Unwesen und in der nahegelegenen Ruine scheint es zu spuken, so dass Vane einen Grund zum bleiben hat. Außerdem steht Gerrard, Patiences Bruder, unter Verdacht …
Nicht ganz so gut wie der Vorgänger, aber dennoch durchaus lesenswert. Stephanie Laurens verwendet hier einige Elemente aus Gothic Novels, was ziemlich gut funktioniert – und einen Bogen zu einem späteren Band schlägt, in dem dann Gerrard der Held sein darf. Leider bleiben die Hauptfiguren ein bisschen arg blaß und sind recht schnell wieder vergessen, aber der Roman macht trotzdem viel Spaß.
Band 3: Scandal’s Bride
Piatkus, 2007; deutscher Titel: Gezähmt von sanfter Hand, Blanvalet.
Im dritten Band gehts nach Schottland: Richard „Scandal“ Cynster ist Devils illegitimer Bruder. Allerdings ist das nicht das Problem – immerhin sind die Cynsters so eine tolle Familie, dass Scandal gleich mal von Devils Mutter, die ihrem Mann seinen Mitleidsfehltritt sofort verziehen hat, adoptiert wurde und deshalb von der Gesellschaft bedingungslos akzeptiert wird. Total realistisch eben. Jahre nach dem Tod seiner Mutter wird er zur Eröffnung des Testaments von ihrem Ehemann nach Schottland beordert. Das kommt ihm gerade recht, denn alle Möchtegernschwiegermütter in London sind hinter ihm her. Und er hat doch gleich gar keine Lust aufs Heiraten.
Auch Catriona kommt zur Testamentseröffnung, denn der Verstorbene war ihr Vormund. Catriona ist „the lady of the vale“, Beschützerin und Herrin über ein idyllisches schottisches Tal – und Dienerin einer mysteriösen (sprich: nur vage beschriebenen) Göttin, der Lady, die dafür sorgt, dass das Tal ein kleines Paradies ist. Sie weiß genau, welche Eigenschaften ihr Zukünftiger haben sollte – vor allem muss er ein kleiner Waschlappen sein, der seine Klappe hält und ihr nicht dreinredet.
Kein Wunder, dass beide den Schock ihres Lebens bekommen, als sie feststellen, dass sie per Testament gezwungen werden sollen zu heiraten …
Eigentlich gebe ich es ja ungern zu aber mit gefällt dieser Pseudo-New-Age-Frauenpower-Kelten-Esoterik-Plot erstaunlich gut. Das liegt einerseits am schottischen Setting (und an der Tatsache, dass Laurens sich dankenswerterweise mit pseudoschottischen Dialektausdrücken zurückhält), andererseits aber auch an den wirklich sympatischen Charakteren, zwischen denen es manchmal richtig funkt. Der Roman passt zwar durch das übersinnliche Element nicht so wirklich zur restlichen Reihe, die ziemlich stark in der Realität verwurzelt ist, bietet aber eine willkommene Abwechslung. Außerdem ist Scandal wohl einer meiner Lieblingscynsters und Catriona ist auch nicht ohne!





Band 4: A Rogue’s Proposal
Piatkus, 2007; deutscher Titel: In den Fesseln der Liebe, Blanvalet
In Band 4 darf Harry, auch bekannt als Demon, versuchen, sich vor der Ehe zu drücken und verzieht sich zu diesem Zweck nach Newmarket, um sich um seine Rennpferde zu kümmern. Kaum angekommen, entdeckt er aber, dass einer seiner Stallburschen gar kein Bursche ist sondern Felicity, oder besser Flick, die gerade undercover versucht ein paar fiesen Rennbetrügern das Handwerk zu legen, um dem Sohn ihres Vormunds aus der Patsche zu helfen. Dillon sitzt nämlich ziemlich tief im Pferdemist … Und da Demon erstens natürlich ein Held ist und zweitens Flick ziemlich scharf findet, hilft er ihr natürlich bei der Verbrecherjagd.
Für einen absoluten Pferdeignoranten wie mich ist A Rogue’s Proposal leider nicht unbedingt der interessanteste Lesestoff überhaupt. Und zwischendurch zieht sich das Ganze ein bisserl arg hin bis endlich gegen Ende wieder mehr Spannung aufkommt. Das Pferdethema wird später nochmal aufgegriffen (immerhin braucht Dillon ja auch irgendwann eine Frau), dann aber etwas interessanter gehandhabt. Demon ist mir persönlich auch nicht soooo furchtbar sympathisch – aber dafür Flick umso mehr. Vielleicht der schwächste unter den ersten 6 Bänden, aber trotzdem noch lesenwert.





Band 5: A Secret Love
Piatkus 2007, deutscher Titel: Ein unmoralischer Handel, Blanvalet.
Alathea Morwellan hat ein Problem: ihr Vater ist auf einen Betrüger reingefallen und jetzt steht die Familie mal wieder vor dem Ruin. Sie braucht dringend Hilfe. Und helfen kann ihr nur einer: ihr Jugendfeind Rupert „Gabriel“ Cynster. Zwischen den beiden fliegen regelmäßig die Fetzen aber Gabriel ist nun mal der größte Finanzexperte der Welt und so fällt ihr nur eine Lösung ein: sie versteckt ihr Gesicht hinter einer Maske und bittet um Gabriels Hilfe.
Gabriel ist natürlich sofort von der Unbekannten fasziniert und hilft ihr natürlich sofort – allerdings unter einer Bedingung: als Belohnung für seiner Hilfe fordert er Küsse. Und irgendwann natürlich ein bisserl mehr, ist ja klar.
A Secret Love ist ebenfalls ein gelungener Roman, auch wenn hier langsam klar wird, dass Stephanie Laurens nicht so unglaublich viel wert auf den Plot legt. Der gerät nämlich über weite Strecken in den Hintergrund und darf da rumdümpeln, während unsere Helden mit wichtigeren Dingen beschäftigt sind. Also mit Sex. Und mit ihren eigenen Gedanken. Aber trotzdem ist dieser Roman noch ziemlich unterhaltsam, vor allem da die Grundidee funktioniert. Hier darf auch endlich eine Figur, die ab und zu in den frühen Romanen am Rande auftaucht und die ich wirklich sehr mochte, eine größere Rolle spielen. Dafür gibt es natürlich Pluspunkte.





Band 6: All about Love
Avon, 2001; deutscher Titel: Nur in deinen Armen, Blanvalet.
Aus Angst auch noch unter die Haube gesteckt zu werden, hat auch Alisdair Cynster, besser bekannt als Lucifer, die Flucht auf seinen Landsitz angetreten. Dort will er einen alten Freund besuchen, der wie er selbst auch, Antiquitätensammler ist. Als er aber auf Colynton Manor ankommt, findet er seinen Freund ermordet auf. Der Mord muss gerade erst passiert sein. Und schon wird ihm schwarz vor Augen. Wenigstens sieht er beim Aufwachen die Frau seiner Träume …
Phyllida kann nur hoffen, dass sie den gutaussehenden Fremden nicht zu hart getroffen hat, als sie aus Versehen die Hellebarde umgeworfen hat – dann hätte sie jetzt nämlich ein noch größeres Problem. Aber wenigstens weiß so niemand, dass sie sich heimlich in Colynton Manor herumgetrieben hat …
Jetzt müssen die beiden nur noch einen Mörder, eine geheimnisvolle Antiquität und ein paar indiskrete Briefe finden …
All About Love gehört zu meinen Lieblingscynsterromanen – die beiden Hauptfiguren sind großartig beschrieben und passen fantastisch zusammen, die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und der Plot ist ziemlich spannend, gerät nur selten in den Hintergrund und das Ende ist erstaunlich actionreich. Klar gibt es auch einige Schwachstellen, aber die überliest man gerne mal. Die Sexszenen sind bei mir im hinteren Teil des Buches ziemlich schnell überblättert worden – der Plot war einfach zu spannend, als dass ich mich da jetzt seitenweise durch irgendwelches ekstatische Rumgeturne ablenken lassen wollte. Trotzdem stimmt die Balance noch eher als in anderen, vor allem späteren, Bänden, so dass ich hier gerne ein Auge zudrücke. Außerdem waren die Szenen, die ich tatsächlich gelesen habe, ziemlich gut geschrieben.





Kleine Nebenbemerkung zu den Ausgaben:
Piatkus hat erst begonnen, die früheren Bände mit richtig schicken Covern herauszugeben, die anderen werden aber relativ bald folgen. Bisher sind nur die ersten fünf Bände und zwei oder drei der neuesten dort erschienen. Wer auf schicke Cover steht, sollte also ein wenig Geduld haben – die von Avon sind teilweise ziemlich langweilig. Dafür hat Piatkus einen Nachteil: Das Lektorat ist ab und an ein bisserl arg schlampig, sodass man relativ viele Satzfehler ertragen muss. Außerdem sind die Piatkus-Ausgaben teurer als die von Avon. Wer auf dumme Titel und richitge Nackenbeißer-Cover steht, ist mit den deutschen Ausgaben von Blanvalet ganz gut bedient.
Mich wundert es nur, warum die überhaupt noch fliehen, wenn sie eh von heiratsfähigen Damen eingeholt werden? Ich meine, der 3. Cousin sollte doch langsam kapiert haben, dass eine Flucht nichts bringt.
Aber die Cover sind wirklich toll. Als ich letztens auf dem Wiener Flughafen gestrandet war, hatte ich zwei dieser Ausgaben in der Hand. Nur die Tatsache, dass Bücher in Österreich teurer sind als in Deutschland, hat mich davon abgehalten, eins zu kaufen.
Kommentar von Lilith — Juni 25, 2007 @ 5:48 |
Die sind auch leider allgemein teuer
Aber soooo schick!
Ich glaube, das ist bei denen so ne Familienkrankheit, die logisches Denken einfach mal abschaltet. Und das ist scheinbar auch ansteckend! Gut, die Fluchtquote nimmt eher ab in letzter Zeit, aber viel intelligenter benehmen die sich trotzdem nicht
Kommentar von cressida — Juni 25, 2007 @ 5:52 |